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Pilotprojekt Schulungsrestaurant: Entwicklung & erstes Fazit

Wir haben das Projekt Schulungsrestaurant für Frauen ins Leben gerufen, um eine Hilfestellung für den oftmals erschwerten Berufs(wieder-)einstieg von Frauen zu bieten. Mehr zu Zielsetzung und Inhalt des Projekts finden Sie hier:

Download Broschüre Schulungsrestaurant

Aufgrund der Pandemiesituation, haben die Teilnehmerinnen nicht ausschliesslich im - monatelang aufgrund des Lockdowns geschlossenen -Schulungsrestaurant Paseo gearbeitet, sondern auch in von uns betriebenen Schulmensen oder der zentralen Produktionsküche. Es hat sich dabei gezeigt, dass die Konzentration auf einen rein von Frauen geführten Standort keinen Mehrwert bietet, da die Flexibilität durch den Einsatz an verschiedenen Standorten gefördert werden konnte.

Die Frauen konnten erleben was es heisst, einer regelmässigen Tätigkeit nachzugehen. Ihr Selbstwert wurde gesteigert, sie sind stolz, bei einer Arbeisstelle gebraucht zu werden. Sie wissen nun was es bedeutet, in einem Team zu arbeiten, konnten verschiedene Teamkonstellationen kennenlernen, Teamwork erfahren, die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten lernen, Feedback bekommen, Kritik annehmen, sich etwas von zu Hause abzunabeln, Erfolge feiern.

Nach 15 Monaten können wir mit Stolz berichten, dass die ersten zwei Teilnehmerinnen nach dem erfolgreichen Abschluss des Programms inkl. Progresso-Lehrgang in eine fixe Anstellung im ersten Arbeitsmarkt übergeben werden konnten. Sie teilen sich dabei im Sinne des "Job Sharings" eine Arbeitsstelle, was ein grosser Glücksfalls darstellt, da beide Frauen nicht für eine 100%-Anstellung verfügbar sind. Dazu gratulieren wir herzlich!

Schwierigkeiten

Das erste Projektjahr hat uns auch Schwierigkeiten und Hürden aufgezeigt. So sind die Anforderungen eines Gastronomiebetriebs nicht optimal mit den Ansprüchen der anvisierten Zielgruppe vereinbar, nicht zuletzt aufgrund der Kinderbetreuung und den Aufgaben, die sie - aus Leidenschaft und/oder aufgrund ihres kulturellen Hintergrunds - in der Familie wahrnehmen. Einsätze in der Abendgastronomie, welche in traditionellen Restaurantbetrieben die Haupteinsatzzeiten sind, gestalten sich hier als schwierig.

Unser Versuch, eine externe Kinderbetreuung zu organisieren, ist daran gescheitert, dass die Programmteilnehmerinnen keine fremden Betreuungspersonen bei sich zuhause zulassen wollten oder konnten.

Die gezielte Inkludierung von Frauen mit Migrationshintergrund erforderte auch den Miteinbezug eines Deutschkurses, welchen wir in Zusammenarbeit mit unserer Partnerin Academia anbieten. Diesen in das Zeitfenster zu integrieren, welches den Frauen neben der Familienarbeit möglich war, stellte eine Herausforderung dar. Die Flexibilität der Programmteilnehmenden in Punkto zeitlicher Verfügbarkeit wurde hier klar unterschätzt.

Religiöse Gepflogenheiten und Traditionen, wie beispielsweise Ramadan, erschwerten eine Schulung im Servicebereich, da kein Ausschank von Alkohol möglich war. Auch gesundheitliche Probleme führten zu Abbrüchen.

Die Resonanz auf ein geschütztes, nicht allen offenstehendes Schulungsprogramm war bei unseren Partnerinnen und Partnern nicht durchgehend positiv. Kritische Rückmeldungen waren und sind einem "geschlossenen", nicht inklusiven Programm skeptisch eingestellt, was in ausbleibenden Zuweisungen bestimmter Stellen resultierte. 

Fazit

Es hat sich gezeigt, dass ein solches, ausschliesslich auf Frauen in schwierigen Situationen ausgerichtetes Programm am besten in einem Tagesbetrieb (beispielsweise in der Systemgastronomie) absolviert werden könnte. Die Frage nach den Zukunftsperspektiven, da zumeist nur Tagesdienst geleistet werden kann, sind hier fraglich. Teilzeitarbeitnehmende sind in der Gastronomie zudem hauptsächlich gefragt, um Spitzen zu brechen. Dies ist in der Regel an Wochenenden oder bei Saisonbetrieben, was wiederum grosse Flexibilität erfordert. Die Förderung von Frauen mit ihren teilweise individuellen Bedürfnissen kann im Rahmen unseres regulären Arbeitsintegrationsprogramms weiterverfolgt werden. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass eine geschützte, rein feminine Umgebung dafür weder notwendig ist noch einen Mehrwert darstellt. Aus diesem Grund wird das Projekt "Schulungsrestaurant Paseo" nicht weitergeführt. Die Erkenntnisse aus dem Projekt fliessen jedoch nahtlos in die Betreuung von Programmteilnehmerinnen bei Parterre Tangram mit ein. Wir möchten uns bei unseren Partnerinnen und Partnern für die geleistete und anhaltende Unterstützung bedanken. Das gesammelte neue Wissen ist ein wichtiger weiterer Schritt in der Förderung von Frauen mit jeglichen Geschichten und Themen.

 


29.10.2021

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"Chancen multiplizieren sich, wenn man sie ergreift."